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Erstellt 3 months ago

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Das Erdgeschoss besteht aus einer unbeschreiblichen Katastrophenküche und Zimmern voller Bauschutt. Stolz wird auf einen müllbeladenen Marmortisch verwiesen. Der sei zwar dreckig, so der Besitzer, aber qualitativ hochwertig! Die Zimmer wirken auf den Kameramann so erschütternd, dass er jeweils nur kurze Schwenks macht und dann in den Spinnenkeller flüchtet. Dort war Rainer seit Äonen nicht mehr und dementsprechend sauber sieht es dort aus: kein Bauschutt, keine vergammelten Lebensmittel. Die handtellergroßen Albinospinnen sind nicht erfreut über den schmutzigen Besucher und bitten diesen stumm, ihr Reich zu verlassen. Man flüchtet in die ehemalige Waschküche, in der ein Puppenhaus steht. Das hat zwar keinen rosafarbenen Schnuraufzug, aber Riesenbabypuppe Rainer würde sowieso nicht hineinpassen. Eine Barbie sucht man vergebens. An den Wänden und der Decke sind drei oder vier Eierkartons montiert, Rainers Versuch, aus der ehemaligen Waschküche ein schalloptimiertes Musikzimmer zu machen. Am liebsten möchte man Fordfahnen darüber hängen. Rainer spricht davon, dass er in diesem Zimmer gerne ein japanisches Bad einrichten möchte. Ein erfolgversprechendes Unterfangen; vielleicht kauft er sich eines Tages drei oder vier Fliesen und klebt sie mit Superkleber an die Wand. Rainer zeigt noch eine Badewanne mit Schrott und einen unfassbar dunklen Horrorraum.
Das war's für den Keller! Rainers Riesenarsch kolbt die Treppe hoch und die Kamera klebt ihm an den Backen. Ich kolbe, sie kolben … ein neues Verb, von Rainers Arsch inspiriert, eine Wortarschgeburt.

Als Letztes geht es in die Scheune. Früher lebten Tiere dort, vielleicht Kühe, vielleicht Schafe, auf jeden Fall reinlichere Wesen als der jetzige Stallhirsch. Die Flaschen des letzten Festes mit Ariella und ihren Trollgefährten stehen noch dort auf einer Bierbank, als wäre das Fest gestern gewesen und nicht Monate her. Die Scheune ist düster und bedrückend, selbst der Keller wirkt einladend gegen sie. Rainer spricht davon, dass er sie in eine Methalle umwandeln wolle, mit einem Feuer in der Mitte. Eine gute Idee: Die Scheune anzuzünden wäre in der Tat das Beste.

Gegen Ende wird Rainer vom Kameramann in die baumhohen Brennnesseln gejagt, um zu einem nicht anwesenden Pferd zu gelangen. Ein gutes Bild für den Abschluss: Die Brennnesseln stehen für die Widrigkeiten des Lebens, durch die Rainer unbeeindruckt und stets unbesiegt hindurchpflügt, um zu einem nicht vorhandenen, illusorischen Ziel zu gelangen. Und eines Tages wird er es geschafft haben: Dann hat er nichts erreicht.