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Diese drei Worte begleiten die Zuschauerinnen und Zuschauer von Game of Thrones schon seit Jahren, ebenso wie das ungeschriebene Gesetz von Westeros, dass bei der Geburt eines Targaryens der göttliche Münzwurf darüber entscheidet, welche Wesenszüge das Neugeborene haben wird. Insbesondere Aerys II., der „Mad King“, der von Robert Baratheon überworfen und von Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) hinterrücks umgebracht wurde, hat mit seinen Taten aus der jüngeren Vergangenheit seiner Sippschaft einen Bärendienst erwiesen. Immer wieder sind wir zu dieser zentralen Figur von Westeros zurückkehrt, über lose Unterhaltungen oder gar über deutliche Visionen. Und nun, mit The Bells, der vorletzten Episode des Fantasydramas überhaupt, hallen die Worte des manischen Königs erneut in unseren Köpfen. Denn: Alles brennt.

Wie auch schon die letzten Episoden von „Game of Thrones“ ist auch die aktuelle Folge nicht davor gefeit, für Fragen und reichlich Kritik aufseiten der treuen Fans und erwartungsvollen Zuschauerschaft zu sorgen. Mit dem Ende von The Last of the Starks aus der Vorwoche zeichneten die beiden Hauptverantwortlichen David Benioff und D. B. Weiss ein klares Bild von einer ihrer wichtigsten Protagonistinnen, Daenerys Targaryen (Emilia Clarke). Sie befand sich am absoluten Tiefpunkt ihres bisherigen Weges: Nicht nur die herben Verluste ihrer treuesten Anhänger und Freunde wie Ser Jorah Mormont (Iain Glen) und Missandei (Nathalie Emmanuel) oder der Tod ihres nächsten Drachens wogen schwer. Das Vertrauen, das sie in Jon (Kit Harington) als ihren Befürworter und Liebhaber gesetzt hatte, wurde ebenfalls nicht erwidert.

Daenerys stand allein auf weiter Flur, im direkten Angesicht mit Cersei (Lena Headey), die einen vergleichbaren Spießrutenlauf durchlebt und einen dementsprechenden Wandel zu einer noch brutaleren Persönlichkeit, als sie es zuvor bereits gewesen ist, mitgemacht hat. Die Botschaft war deutlich. Daenerys, einstige Hoffnungsträgerin für Westeros, „Breaker of Chains“ und „Mother of Dragons“, stand kurz vor dem nachvollziehbaren mentalen Kollaps. Wie würde sie diese ganz neue Herausforderung bewältigen? Kann sich ein Mensch in dieser erbarmungslosen Welt, die uns „Game of Thrones“ seit Jahren präsentiert, überhaupt eine gewisse Reinheit und Güte bewahren? Vor allem dann, wenn so viel um einen herum an einem zehrt, einen korrumpiert und verdirbt? Daenerys Targaryen kann es nicht. Und wer macht es ihr unter diesen Umständen schon zum Vorwurf?

She chose violence
Erneut finden wir uns als Außenstehende in einer Zwickmühle wieder. Nachdem wir über mehrere Staffeln den Aufstieg von Daenerys zu einer schillernden Figur im „Spiel der Throne“, die dem Establishment den Kampf angesagt hat, hautnah miterlebt haben, wird dieser Charakter nun binnen kürzester Zeit demontiert. Nicht wenige echauffieren sich über diese Entwicklung.